Fragen stellen und Wortschatz üben mit dem Spiel „Wer ist es?“

Bei dem Spiel „Wer ist es?“ geht es darum rauszufinden, welche Spielfigur das Gegenüber ausgewählt hat, ohne diese zu sehen. Ähnlich wie bei Schiffe versenken hat der Gegenspieler ein zu sich gewandtes Spielfeld, dass man nicht einsehen kann. Auf den Spielfeldern sind verschiedene Personen abgebildet, die sich durch übliche Merkmale unterscheiden (Geschlecht, Hautfarbe, Haare, Brille, Bart….).

Der Spieler, der durch gezieltes Fragen zuerst die vom Gegenspieler gewählte Figur errät, gewinnt. Immer wenn man eine Frage stellt, schließt man eine bestimmte Sache aus (z.B. blonde Haare) und kann dann die entsprechenden Figuren umklappen. Hinterher bleibt im Idealfall nur noch eine über.

Soviel zum Spielablauf. Die übliche Version des Spiels hat Personen/ Gesichter als Thema. Es gibt aber weitere Versionen des Spiels – beispielsweise zu Märchen, Berufen, Fahrzeugen oder Tieren. Unter

http://www.hasbro.com/de-de/guesswho/guess-who-characters

gibt es Spielbögen gratis zum Ausdrucken. Einer ist mit G.I. Joe (? Warum?). Natürlich kann man auch einen solchen Bogen ausdrucken und die Fotos der Kinder aus der Gruppe/ Klasse auf die Felder kleben…aber das ist viel Arbeit.

„Der -Die-Das“ vom Goliath Verlag hat dasselbe Spielprinzip. Ich habe auf dem Bild übrigens nur die billige Reisepielversion. Die würde ich nicht empfehlen, zu klein und die Kärtchen kann man nicht gut erkennen.

Für die Sprachförderung ist dieses Spiel wirklich praktisch! Zum Einen MUSS das Kind Fragen stellen!!! Es führt kein Weg daran vorbei. „Hat deine Person blonde Haare?“ oder „Ist deine Person ein Mann?“. Nur durch gezieltes Fragen kann das Kind herausfinden, welche Figur das Gegenüber ausgesucht hat. Sprachtherapeutisch gesehen ist das der Idealfall, um eine gewünschte Zielstruktur zu evozieren, also notwendig zu machen.

Wichtig: Übt vorher mit den Kids, welche Fragen man stellen kann. Das ist nämlich echt nicht einfach. Dazu kann man zuerst mögliche Fragen mit den Kindern brainstormen (Haare, Geschlecht, Klamotten, Augen etc…..) Und dann ist es wichtig, dass klar formuliert wird, wie die Frage aussehen soll. Die zwei Fragestrukturen, die die Kindern können und anwenden sollten sind.

  • Hat deine Person _________ ?
  • Ist deine Person __________ ?

Wenn die Kinder schon lesen können, kann man die beiden Sätze einfach aufschreiben und auf den Tisch in die Mitte legen. Drumherum kann man die gemeinsam erarbeiteten Merkmale auf Zetteln legen.

Können die Kinder noch nicht lesen, muss man ein wenig malen üben und die zwei Sätze mehrmals wiederholen.

Immer mit Modellierungstechniken arbeiten bei dem Spiel. Die Sätze sind gar nicht so einfach für die Kinder und müssen häufig verbessert werden. Als Gewinn hat man auf jeden Fall, dass die Kinder sehr häufig und in der Regel motiviert die Satzstruktur üben werden. Und eine gleichbleibende Satzstruktur mit vielen Wiederholungen hilft dem Kind richtig gut, grammatikalische Strukturen zu üben.

 

Ein zweiter großer Förderbereich für „wer ist es?“ ist der Wortschatz. In der Originalversion wird der Wortschatz Gesicht eingeübt. Die Kinder müssen viele Wörter aus dem Wortfeld Gesicht zuordnen und auch selber nutzen. Da es für sie wichtig ist zu gewinnen, werden sie sich Mühe geben. Das ist einer der großen Vorteile bei Spielen in der Förderung 🙂

Für ältere Kinder in der Sekundarstufe 1 eignet sich das Spiel sogar auch noch. Das Spielfeld „Berufe“ ist ziemlich schwierig und kann Merkmale von Berufen differenzieren.

Wichtig: Eine Schwierigkeit nenne ich hier sofort, damit ihr den Kindern dabei helfen könnt und auch wisst, worauf ihr ein Auge haben müsst. Wenn ein Spieler fragt: „Hat deine Person blonde Haare?“ und das Gegenüber sagt: „nein“, dann muss der Fragesteller alle Personen umdrehen, die blonde Haare haben, weil diese nicht in Frage kommen. Wenn der Spieler mit „ja“ antwortet, muss das Kind alle Figuren umdrehen, die KEINE blonden Haare haben. Das ist schwer!

Wenn die Kinder das Spiel können, beschäftigen sie sich damit ziemlich gerne und man kann viel Förderung darin unterbringen.

 

 

Präpositionen üben mit dem Spiel „verstecken“

Das Spiel „verstecken“ vom Schmidt Verlag mit Charlie und Lola ist ein kleines Pocketspiel mit einer einfachen Suchidee. Das Spiel liefert zwei Spielpläne (Vorder- und Rückseite) mit Situationsbildern und zusätzlich noch kleine runde Chips mit verschiedenen Abbildungen. Also sehr einfach organisiert.

Jedes andere Spiel mit einem wimmbelbildähnlichen Spielplan und Chips funktioniert ähnlich.

Wenn ihr kein Spiel kaufen wollt oder näher an dem persönlichen Umfeld der Kinder sein möchtet, könnt ihr auch ein Foto laminieren (beispielsweise vom Klassenraum, vom Pausenhof, vom Spielzimmer der Kinder, von der Küche etc.) und die Chips mit den Gegenständen entweder aus anderen Spielen nehmen, oder auch ausdrucken und laminieren.

Die Spielidee ergibt sich aus dem Namen „verstecken“. Im ersten Schritt legt man abwechselnd alle Chips ab. Dann darf man 10 Sekunden das Bild angucken und sich möglichst viel einprägen. Dann werden schnell alle Chips umgedreht und es geht von jetzt an darum, wer behalten hat, was wo liegt.

Das Spiel ist an sich noch etwas komplizierter, aber für uns reicht dieser Ablauf völlig aus. Entscheidet euch vorab für nur eine Fördervariante. Je kleiner man sein Ziel wählt, desto besser kann man damit arbeiten.

Präpositionen:
Der Ball liegt auf dem Sofa.
Das Auto liegt auf dem Stuhl.
Die Schuhe liegen unter dem Tisch.

Seid ein gutes Sprachvorbild und nutzt Modellierungstechniken (siehe entsprechenden Beitrag auf unserem Blog), um die Kindersprache zu verbessern.

Gleichbleibende Satzstrukturen
Die Schuhe kommen unter den Tisch.
Der Ball kommt auf das Sofa.
Das Auto kommt auf den Stuhl.
Legt die Chips abwechselnd mit dem Kind auf den Spielplan – ihr als Erwachsener startet, damit die Satzstruktur vorgeben werden kann. Nutzt Modellierungstechniken, um die Kindersprache zu verbessern (Modellierungstechniken haben wir in einem anderen Beitrag beschrieben).

Wortschatz

Der Wortschatz ergibt sich aus der Vorlage (dem Bild und den Chips) und ist daher gut einem Wortfeld zuzuordnen (z.B. Spielzeug, Möbel, Gemüse etc.) Wenn ihr euch für die Förderung des Wortschatzes entscheiden, achtet darauf, dass der Übungswortschatz nicht zu groß ist – 8-10 Begriffe – und aus demselben Wortfeld stammt. So ist es für das Kind einfacher, die entsprechenden Bezüge in das mentale Lexikon aufzunehmen.

Artikel
Wenn alle Chips erraten werden müssen, dreht sich die Satzstruktur um. 

Aus: "die Schuhe liegen unter dem Tisch" 
wird "unter dem Tisch liegen die Schuhe" 
oder eine kürzere Version. 
Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Versteck, sondern auf dem Gegenstand. Deshalb kann man hier gut Artikelnutzung üben. 
Wenn ihr euch für Artikelnutzung entscheidet, am besten nur Dinge in der Einzahl nehmen, weil in der Mehrzahl andere Regeln für Artikelnutzung gelten. 

 

Auf Fehler in der Kindersprache reagieren

Wie reagiert man sinnvoll, wenn Kinder begeistert erzählen, dabei aber immer wieder grobe Fehler machen? „Ich geh bei Oma“ oder „Ich den Bagger haben will“ sind Beispiele, die euch vielleicht bekannt vorkommen.

Liebevoll den Fehler erklären geht natürlich. Das Kind böse angucken und sagen „du musst an deiner Grammatik arbeiten, Lukas“ geht weniger gut. Soviel ist vermutlich allen klar. Aber für liebevolles Erklären ist erstens nicht immer Zeit Und für ein Kind mit wenig Grammtikverständnis sind Erklärungen manchmal auch gar nicht so einfach zu verstehen.

Eine gute Lösung sind „Modellierungstechniken„.

Modellierungstechniken sind verschiedene Arten, die eigene Sprache dazu zu benutzen um das Kind zu korrigieren, ohne dass das Kind es merkt. Dadurch hat das Kind nicht den Eindruck, dass es ständig Fehler macht und man kann trotzdem dafür sorgen, dass eine Verbesserung der sprachlichen Strukturen gelingt.

Hier ein Beispiel:
Kind: „Hund weg“
Erwachsener: „Ja, der Hund ist weg.“
Bei diesem Beispiel vervollständigt man einfach den Satz für das Kind, ohne darauf hinzuweisen, dass die kindliche Äußerung fehlerhaft war. Prinzipiell sorgt man einfach dafür, dass das Kind in der passenden Situation ein gutes Sprachvorbild erhält. Und Kinder lernen sehr viel Sprache durch uns als Vorbilder.

Hier noch ein Beispiel:
Kind: „Ich den Bagger haben will“
Erwachsener: „Ja. Ich will den Bagger haben.“
Hier spricht man den gesamten Satz des Kindes nach – und zwar richtig. Es ist OK und sinnvoll, die Fehler besonders deutlich und etwas über zu betonen, aber halt ohne erhobenen Zeigefinger.

Für Grammatik und Satzbau gilt generell auch, dass Fehler relativ lange noch OK sind. Generell ist das Kind mit etwa 4 Jahren in der Lage, korrekte Sätze zu bilden. Besonders schwierige Dinge wie die Genitivmarkierung oder Passivsätze werden sogar erst im Grundschulalter erworben.

Für alle, die mehr wissen wollen, habe ich den Link unten eingefügt. Auf Seite 9 sind alle Modellierungstechniken noch einmal aufgeführt und mit Beispielen versehen. Die Broschüre ist generell gut und spannend und darf sogar geteilt werden (weshalb ich mich traue, den Link hier einzufügen).

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