Nanu? Easiest Fördersetting ever.

Mit Nanu? vom Ravensburger Verlag hat man ein wirklich einfaches Setting für jede Menge Förderideen. Das Spiel besteht nämlich nur aus 5 farbigen Scheiben (ich habe nur noch 4), einem Farbwürfel und Bildkärtchen.

Für alle unter euch, die gerne selbst tätig werden und damit Geld sparen – farbige Scheibchen sind schnell aus Joghurtbechern hergestellt….erfüllt den Zweck genauso.

Unter den Scheibchen versteckt man dann Bildkarten oder auch Wortkarten, je nachdem wie alt das Kind ist und ob ihr Lesen üben möchtet, oder sprechen. Dann spielt man das Spiel ähnlich dem typischen Hütchenspiel aus dem Italienurlaub in den 90ern. Entweder man versteckt genau eine Karte unter genau einer Scheibe und dreht alles hin und her und lässt das Kind die Karte wiederfinden. Oder man versteckt unter jeder Scheibe eine andere Karte und das Kind soll sich alle Karten merken und der Farbwürfel entscheidet, welche Scheibe man aufdecken soll. Kann das Kind für diese Scheibe das richtige Bild benennen, darf es das behalten. Wer am Ende die meisten Karten hat, gewinnt. So. Das ist einfach. Nun zu den Fördermöglichkeiten:

Man kann sehr gut Wortschatzübungen auf diese Weise machen. Man druckt alle möglichen Bilder zu einem Wortschatz aus (Im Kühlschrank, Bauernhoftiere, in der Schule, Wohnzimmer, Kleidung, Körperteile…..) und übt so mit dem Kind diese Wörter. Bei allen Dingen mit Wortschatz darauf achten, dass man passende Begriffe wählt. Das mentale Lexikon ist verzweigt und kann sich gut durch Oberbegriffe und die dazu passenden Wortelder organisieren. Also nicht einfach Wörter aus ganz unterschiedlichen Bereichen üben, sondern versuchen, Wortfeld für Wortfeld zu erarbeiten. Zum Erarbeiten des Wortfeldes kann man die Kinder die Bildkarten schön selber ausmalen lassen. 🙂

Super passt das Spiel auch für Übungen von bestimmten Lauten. Man druckt oder malt wieder eine Serie von Bildern aus. Beispielsweise alles Wörter, die mit K und T anfangen. So kann man mit dem Kind üben, diese ähnlich klingenden Laute zu unterscheiden. Weitere Laute, die Kinder häufig verwechseln sind m/n; t/d ; g/k; u/o; e/i….

Und auf dem Foto ist ein Beispielskartenset zu sehen, das für Artikulationstherapie (hier der Laut S) auf Wortebene funktioniert. Dafür sollte das Kind schon den Laut an sich angebahnt haben (also mit dem Therapeuten soweit geübt, dass das Kind den Laut isoliert richtig ausspricht und nur in Wörtern/ Sätzen etc. noch Fehler macht). Das Spiel funktioniert natürlich genauso, aber alle Wörter sollten dann den Laut beinhalten, so kann man dann gut üben. Ich habe im Foto zwischen Wörtern mit S am Anfang/ Mitte/ Ende unterschieden. Das hat den Grund, dass es am einfachsten ist, Laute am Anfang zu hören und zu sprechen. Danach übt man die Laute am Ende und dann in der Mitte. Und dann alle auf einmal 🙂

Ihr könnt aus dem Hütchenspiel auch eine Art Dosendiktat machen. Das Kind würfelt mit dem Farbwürfel, guckt unter das entsprechende Hütchen und macht es schnell wieder zu und schreibt das gesehene und gelesene Wort dann ins Heft. Dann kontrolliert das Kind, ob es richtig geschrieben hat oder nicht. Wenn ja, darf es die Karte unter dem Hütchen behalten 🙂

Viel Spaß!

 

 

Auf Fehler in der Kindersprache reagieren

Wie reagiert man sinnvoll, wenn Kinder begeistert erzählen, dabei aber immer wieder grobe Fehler machen? „Ich geh bei Oma“ oder „Ich den Bagger haben will“ sind Beispiele, die euch vielleicht bekannt vorkommen.

Liebevoll den Fehler erklären geht natürlich. Das Kind böse angucken und sagen „du musst an deiner Grammatik arbeiten, Lukas“ geht weniger gut. Soviel ist vermutlich allen klar. Aber für liebevolles Erklären ist erstens nicht immer Zeit Und für ein Kind mit wenig Grammtikverständnis sind Erklärungen manchmal auch gar nicht so einfach zu verstehen.

Eine gute Lösung sind „Modellierungstechniken„.

Modellierungstechniken sind verschiedene Arten, die eigene Sprache dazu zu benutzen um das Kind zu korrigieren, ohne dass das Kind es merkt. Dadurch hat das Kind nicht den Eindruck, dass es ständig Fehler macht und man kann trotzdem dafür sorgen, dass eine Verbesserung der sprachlichen Strukturen gelingt.

Hier ein Beispiel:
Kind: „Hund weg“
Erwachsener: „Ja, der Hund ist weg.“
Bei diesem Beispiel vervollständigt man einfach den Satz für das Kind, ohne darauf hinzuweisen, dass die kindliche Äußerung fehlerhaft war. Prinzipiell sorgt man einfach dafür, dass das Kind in der passenden Situation ein gutes Sprachvorbild erhält. Und Kinder lernen sehr viel Sprache durch uns als Vorbilder.

Hier noch ein Beispiel:
Kind: „Ich den Bagger haben will“
Erwachsener: „Ja. Ich will den Bagger haben.“
Hier spricht man den gesamten Satz des Kindes nach – und zwar richtig. Es ist OK und sinnvoll, die Fehler besonders deutlich und etwas über zu betonen, aber halt ohne erhobenen Zeigefinger.

Für Grammatik und Satzbau gilt generell auch, dass Fehler relativ lange noch OK sind. Generell ist das Kind mit etwa 4 Jahren in der Lage, korrekte Sätze zu bilden. Besonders schwierige Dinge wie die Genitivmarkierung oder Passivsätze werden sogar erst im Grundschulalter erworben.

Für alle, die mehr wissen wollen, habe ich den Link unten eingefügt. Auf Seite 9 sind alle Modellierungstechniken noch einmal aufgeführt und mit Beispielen versehen. Die Broschüre ist generell gut und spannend und darf sogar geteilt werden (weshalb ich mich traue, den Link hier einzufügen).

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